“Das Studium ist die beste Zeit des Lebens”, oder “Du hast doch eh genug Freizeit als Student_in”, bekommen wir Student_innen immer wieder gesagt.

Doch diese Aussagen sind wohl eher ein Mythos: Leistungsdruck, Stress, Unvereinbarkeit von Studium und Arbeit, genauso wie die Suche nach Praktika, um einen möglichst langen Lebenslauf vorweisen zu können, sind zum Alltag von uns Studierenden geworden.

In dem neoliberalen, auf Wettbewerb und Konkurrenz basierenden Wirtschaftssystem, in dem wir leben, sind wir täglich enormen Belastungen ausgesetzt. Arbeitgeber_innen verlangen von jungen Absolvent_innen mehr als bloß ein abgeschlossenes Studium. Im Idealfall sollten wir, im Hinblick auf die Anforderungen des neoliberalen Marktes, neben dem Studium auch noch weitere Ausbildungen und Lehrgänge, sowie Praktika und die nötigen fachlichen und persönlichen Kompetenzen mitbringen. Ein großes Problem dabei ist, dass diese Praktika meist unbezahlt oder sehr schlecht bezahlt werden. Somit sind sie nur einigen wenigen privilegierten Personen wirklich zugänglich. Personen die neben dem Studium erwerbstätig sind, um sich das Studium überhaupt leisten zu können, bleibt diese Tür verschlossen.

Neben dem immer größer werdenden Leistungsdruck, steigen die Lebenshaltungskosten stetig. All dies macht es nahezu unmöglich sich nur noch auf das Studium zu konzentrieren.

Mit der Kampagne study. work. sleep. repeat. greifen wir das Thema Studieren und Arbeiten auf, bieten konkrete Lösungsvorschläge und stellen Forderungen an die Regierung, um die Lebensrealität von uns Studierenden zu verbessern.

DAHER FORDERN WIR:

Her mit der Marie!

Wir sind der Meinung, dass Studieren bereits Arbeit genug ist! Um sich ausreichend auf das Studium konzentrieren zu können und nicht noch zusätzlich einer Erwerbstätigkeit nachgehen zu müssen, bedarf es eines guten Beihilfensystems durch öffentliche Hand. Es gibt zwar staatliche Beihilfen, wie z.B. die Familienbeihilfe, allerdings passen die Voraussetzungen an die sie geknüpft sind, kaum mehr zur Lebensrealität der Studierenden in Österreich. Die größte Diskrepanz sieht man hier bei der Altersgrenze: Die Familienbeihilfe kann bis zum 24. Geburtstag (in Ausnahmen auch bis zum 25.) bezogen werden, die Studierenden in Österreich sind laut Studierendensozialerhebung allerdings durchschnittlich 26,2 Jahre alt. Der Wegfall dieser Beihilfe ist oft ein wichtiger Faktor, der Studierende in die Erwerbstätigkeit zwingt.

Damit wir Studierenden unseren 24. Geburtstag wieder feiern können, fordern wir die Anhebung der Altersgrenze auf 27 Jahre.

Ein zweiter Aspekt der unserer Meinung nach geändert werden muss ist der, dass die Familienbeihilfe nicht von uns Studierenden selbst, sondern von einem Elternteil oder Erziehungsberechtigten bezogen wird. Sobald man nicht mehr zuhause wohnt und somit einen eigenen Haushalt führt, wäre es nur vernünftig, dass diese Beihilfe auch selbst bezogen werden kann. Bis dato braucht es dafür die Unterschrift des anspruchsberechtigten Elternteils/Erziehungsberechtigten.

Wir fordern daher die Direktauszahlung der Familienbeihilfe an uns Studierende, sodass sichergestellt wird, dass diese auch allen  Studierenden direkt zugute kommt!

Wessen Studium? Unser Studium!

Studieren in Österreich heißt also für die Mehrheit, sich nicht voll aufs Studium konzentrieren zu können, während sie gleichzeitig immer mit der Sorge lebt, ob es sich finanziell überhaupt ausgeht fertig zu studieren. Neben dem nichtausfinazierten Beihilfensystem kommt hinzu, dass wenige Studiengänge so konzipiert sind, dass es einfach wäre Studium und Arbeit vereinbaren zu können.
Von uns wird gefordert ca. 30h pro Woche in das Studium zu investieren, arbeitet man nebenbei noch 30h stehen viele  Studierende so vor einer 60 Stunden Woche. Anwesenheitspflicht, Deadlines und Prüfungsstress sind alles Faktoren die hier schlagend werden und vermehrt auch zu gesundheitlichen Belastung werden können. Lehrende ohne Interesse daran uns Studierenden das Studium durch Möglichkeiten z.B. der Digitalisierung zu erleichtern, sowie ein fehlendes Angebot an Lehrveranstaltungen, welche an die Lebensrealitäten von uns Studierenden angepasst sind, hindern uns ‘die Zeit unseres Lebens’ als solche erleben zu können. Dafür ist es essentiell ein System zu entwickeln in welchem Studierende , nach ihrem Ermessen und ihren Bedürfnissen entsprechend, Erwerbstätigkeit und Studium vereinbaren  können. Denn wir Studierende sind die Mehrheit an den Hochschulen und es ist unsere Bildung, also sollte das Angebot auch an unsere Bedürfnisse angepasst sein.

Wir fordern daher eine verstärkte Verwendung von Moodle, Streamingservices sowie der digitalen Veröffentlichung von Lehr- & Lerninhalten

Der Ausbau einer digitalen Hochschule soll jedoch nicht dazu führen, Lohnarbeit als etwas selbstverständliches neben dem Studium zu sehen. So soll dieser als Vereinfachung einer Vereinbarkeit eines selbstgewählten Nachgehens einer Erwerbstätigkeit, gesehen werden. Neben der Digitalisierung des Lehrangebots ist ebenso wichtig, Studierenden den Zugang zu Lehrveranstaltungen und Prüfungen barrierefreier zu gestalten. Lehrveranstaltungen beispielsweise, die nur einmal in einem Studienjahr zu unmöglichen Zeiten angeboten werden sind somit kontraproduktiv bei der Gestaltung eines bedürfnisorientierten und selbstbestimmten Studiums.

Wir fordern daher

  • Eine Ausweitung des Angebots an Blocklehrveranstaltungen
  • Das Lehrveranstaltungsangebot den Bedürfnissen der Studierenden anzupassen und nicht an die der Lehrenden
  • Die Abschaffung von Anwesenheitspflichten

Bezahlte Freistellung bei Prüfungen!

Die Studierendensozialerhebung 2015 hat aufgezeigt, dass 54% der Studierenden Schwierigkeiten damit haben, ihr Studium und ihre Erwerbstätigkeit unter einen Hut zu bekommen. Im internationalen Vergleich arbeiten nicht nur mehr von uns, sondern auch in einem größeren Ausmaß als viele unserer europäischen Nachbarn. Während in Österreich ca 2/3 der Studierenden erwerbstätig sind, sind es in Deutschland nur etwa ¼. Eine Veränderung ist hier nicht nur auf den Hochschulen notwendig, sondern auch die Arbeitswelt muss an die Bedürfnisse von uns Studierenden angepasst werden. Aus der Studierendensozialerhebung ist ebenfalls herauszulesen, dass nicht nur der in Zeit gemessene Arbeitsaufwand eine große Rolle spielt, sondern vor allem eine mangelnde Vereinbarkeit, zu Problemen führt. So wird der Arbeitsaufwand von Studierenden, die sich bei der Vereinbarkeit schwer tun als anstrengender bewertet, als bei jenen, die Arbeit und Studium gut vereinen können. Bei Prüfungen können wir in der Regel weder den Termin noch die Uhrzeit selbst festlegen und es kommt regelmäßig zu Überschneidungen mit der Arbeitszeit. Gesetzlich gibt es momentan keinen Anspruch auf Freistellung für das Ablegen von Prüfungen und auch kein Recht für uns Studierende als Arbeitnehmer_innen einseitigen Urlaub festzulegen. Nur vereinzelt sind Regelungen in Kollektivverträgen verankert, die einen Anspruch auf Freizeit garantieren, oder es wird ein einseitiges Recht auf Urlaub garantiert. Um aber keine wertvolle Studienzeit zu verlieren ist es von großer Bedeutung, dass solche Ansprüche auch gesetzlich festgehalten werden.

Deshalb fordern wir einen Anspruch auf bezahlte Freistellung, für alle Studierende, die eine Prüfung abzulegen haben.

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