Studieren muss mehr sein

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Ein Beamer macht noch keine Vorlesung

Für eine verpflichtende Aus- und Weiterbildung von Lehrenden

Eines der wichtigsten Kriterien für die Qualität der Lehre stellt die didaktische Gestaltung von Lehrveranstaltungen dar. Alltägliche Erfahrungen von Studierenden zeigen jedoch, dass im Bereich der Didaktik große Problemfelder existieren: Zu einem sehr großen Teil basiert Hochschullehre auf eindimensionalen Frontalvorträgen – Interaktion und Diskussionen werden oft nicht ermöglicht. 85% der Studierenden meinen, dass ihren Fragen kein Platz eingeräumt wird und sie nicht beantwortet werden. Studierende werden nur wenig einbezogen und haben nur in seltenen Fällen Mitbestimmungsmöglichkeiten an der Lehre – nur 4% der Studierenden haben das Gefühl, an der Gestaltung von Lehrveranstaltungen mitbestimmen zu können. Des Weiteren basiert die Gestaltung von Lehrveranstaltungen nur selten auf einer Methodenvielfalt. Die immergleichen Methoden werden angewandt, ohne die durch Gruppengröße, Inhalte, individuelle Interessen der Studierenden etc. entstehenden Anforderungen an die Planung einer Lehrveranstaltung miteinzubeziehen. Nur 3% der Studierenden finden, dass die Interessen und Bedürfnisse der Studierenden im Mittelpunkt der Lehre stehen.

Fehlende didaktische Ausbildung von Lehrenden

Ein Grund für die Probleme in der Hochschuldidaktik ist die fehlende Aus- und Weiterbildung von Hochschullehrenden. Nur 7% der Studierenden halten die didaktischen Fähigkeiten der Lehrenden für sehr gut. An der Universität Wien ist für NeueinsteigerInnen ohne Doktorat lediglich ein zweitägiges Seminar als Basisqualifizierung zur Lehre verpflichtend. An den meisten anderen Hochschulen gibt es jedoch überhaupt keine verpflichtende didaktische Ausbildung und auch keine Angebote für freiwillige Weiterbildung. Verbesserungen im Bereich der Hochschuldidaktik sind allerdings nur möglich, wenn Lehrende in ihren didaktischen Fähigkeiten unterstützt und ausgebildet werden.

Wir fordern: Verpflichtende Aus- und Weiterbildung von Lehrenden

All jene Personen, die in die Lehre einsteigen, sollen zu einer didaktischen Ausbildung verpflichtet sein. Die Ausbildung basiert auf einem ein Semester langen didaktischen Lehrgang, der entweder vor dem ersten Lehrauftrag oder begleitend zu diesem besucht werden kann. Durch diesen Lehrgang wird eine allgemeine Lehrbefugnis verliehen. In regelmäßigen 5-Jahres-Abständen sollen weitere für alle Lehrenden verpflichtende Fortbildungslehrgänge stattfinden. Zusätzlich können Lehrende bei sehr negativen Lehrveranstaltungsevaluierungen verpflichtet werden, Weiterbildungs-Angebote wahrzunehmen. Zentral in der didaktischen Aus- und Weiterbildung ist der Fokus auf den Paradigmenwechsel der Lehre hin zu einer studierendenzentrierten, interaktiven und forschungsgeleiteten Didaktik.

Quellen: SORA Institute for Social Research and Consulting Ogris & Hofinger GmbH (2012), Österreichische HochschülerInnenschaft Bundesvertretung (Auftraggeberin). Qualität der Lehre, Wien.

Quellen: SORA Institute for Social Research and Consulting Ogris & Hofinger GmbH (2012), Österreichische HochschülerInnenschaft Bundesvertretung (Auftraggeberin). Qualität der Lehre, Wien.

 

Für eine echte Orientierung

Studien zeigen immer wieder, dass sich die Mehrheit der Studierenden für eine Minderheit der Studienrichtungen interessiert. Das führt dazu, dass es einen hohen Zulauf in den „klassischen“ Studienrichtungen gibt. Gepaart mit der massiven Unterfinanzierung der Universitäten ergeben sich dadurch kaum erträgliche Studienbedingungen. Zugangsbeschränkungen können aber nicht die Lösung sein: Was es braucht wäre endlich eine sinnvolle Studienorientierung ins Leben zu rufen, die gewährleistet, dass junge Menschen auch in Studienrichtungen abseits des Mainstreams Einblick bekommen und so die Studierendenströme besser verteilt werden.

Wir haben dazu folgendes Modell erarbeitet:

Dieses besteht aus zwei Phasen:

  • Einer intensiven Studienberatung in der Schule und
  • einer verpflichtenden Studienfachorientierung auf der Hochschule

Studienberatung in der Schule

Vorraussetzung: Jugendliche in der Schule ohne größerem Aufwand mit möglichst vielen Studienrichtungen und Hochschulen bekannt machen.

  • Jede Studienrichtung muss mindestens eine einführende Lehrveranstaltung online zur Ansicht zur Verfügung stellen
  • Jedem Fach der verschiedenen Maturaklassen werden Studienrichtungen zugeteilt
  • die LehrerInnen der jeweiligen Fächer müssen am Beginn des Maturajahres ihre Studienrichtungen kurz vorstellen und den SchülerInnen die Möglichkeit geben die Online-Lehrveranstaltungen der Fächer, die sie interessieren, anzusehen
  • bundesweit koordiniertes Buddy-System: Studierende stellen sich als Buddys für Schüler_innen zur Verfügung; SchülerInnen können auf einer Homepage mit Studierenden ihrer Wunsch-Studienrichtungen in Kontakt treten
  • mit den Buddys können einerseits die Online- Lehrveranstaltungen besprochen werden, andererseits auch der Tag der offenen Tür an der jeweiligen Hochschule besucht werden, etc.
  • Studierende bekommen ECTS-Punkte für das Buddy-Sein
  • es braucht eine Feedbackschleife um Sinnhaftigkeit zu garantieren
  • in der 8. Schulstufe muss mit der Klasse die BeSt besucht werden
  • SchülerInnen brauchen ein gesetzlich verankertes Stundenkontigent zur Freistellung für Arbeits- und Bildungsorientierung
  • jede Hochschule muss verpflichtend einen Tag der offenen Tür anbieten

Auf der Hochschule

Vorraussetzungen:

  • sinnvolle, verpflichtende Orientierung in mindestens 3 Studienrichtungen
  • keine (finanziellen, studienspezifischen,…) Nachteile für Studierende
  • möglichst alle testen möglichst viele Studienrichtungen/Hochschulen

Modell:

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Das erste Semester ist ein reines Orientierungssemester. Studierende sind nicht ordentlich inskribiert, sondern präinskribiert auf einer bundesweiten Online-Plattform. Auf dieser können sie sich dann für die verschiedenen Lehrveranstaltungen auf den verschiedenen Hochschulen (Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogischen Hochschulen) anmelden. Vollständige Inskription ist erst nach positivem Besuch der Orientierungsphase möglich. Die Orientierungsphase besteht im Regelfall aus zumindest einem Einführungstutorium und einer Übung zur Einführung in das Wissenschaftliche Arbeiten. Studierende müssen außerdem 3 Lehrveranstaltungen (Einführungsübungen) aus mindestens drei Studienrichtungen aus höchstens 3 verschiedenen Hochschulen ein Semester lang besuchen. Jede Studienrichtung soll eine „Einführungsübung (EÜ)“ anbieten, die dann von Oktober bis Dezember besucht werden soll die einen wesentliche Überblick über die Inhalte des Studiums geben soll. Das dient zur allgemeinen Information und zur Einführung in das Studienleben. Durch regelmäßige Teilnahme wird der Besuch der drei EÜ’s in drei Studienrichtungen bestätigt, Abschlussprüfung gibt es keine, lediglich eine Bestätigung der Teilnahme. Natürlich ist darauf zu achten, dass diese auch für berufstätige Studierende und Studierende mit Betreuungspflichten zu unterschiedlichen Zeiten angeboten werden. Versteckte Prüfungen sind verboten, vielmehr sollen durch Gruppenarbeiten, die Arbeit mit neuen Medien und Besuchen von Disziplinverwandten Einrichtungen verschiedenste Lernformen praktiziert werden. Diese EÜ ist Teil des Studienplans und kann somit nach Inskription für das schlussendlich gewählte Studium angerechnet werden. Am Ende des Semesters wird keine Prüfung gemacht, sondern Studierende bekommen eine Bestätigung der Hochschulen über die bundesweite Online-Plattform, die Orientierungsphase positiv absolviert zu haben (ist dann für alle Hochschulen und Stipendienstellen, etc. abrufbar). Zusätzlich können auf freiwilliger Basis auch Vorlesungen aus den jeweiligen Fächern besucht werden. Prüfungen können zwar nach Inskription im 2. Semester gemacht werden, müssen aber nicht. Alle Stunden (EÜs und freiwillige Vorlesungen), egal in welchem Fach oder auf welcher Hochschule, müssen ab Inskription für die freien Wahlfächer angerechnet werden können. So kommt es auch zu keinen Mehrkosten, weil es keine zusätzliche Lehrleistung braucht. Das Orientierungssemester wird nicht in die Mindesstudiendauer eingerechnet und auch für Beihilfen, Studierendenwohnheime, etc. reicht der Besuch der Orientierungsphase.

Folgen:

  • weniger Drop-Out
  • bessere Verteilung der Studierenden
  • sinnvolle Orientierung statt unfaires Hinausprüfen

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