IN UNSERER GESELLSCHAFT IST HETERONORMATIVITÄT ALLTAG, ABER WAS HEISST DAS?

Heteronormativität bezeichnet die Weltanschauung, welche heterosexuelle Beziehungen in einer binären Geschlechtlichkeit als Norm bzw. erstrebenswert ansieht. Außerdem wird oft das biologische Geschlecht mit der Geschlechtsidentität gleichgesetzt oder verleugnet, dass sich es einen Unterschied zwischen diesen beiden geben kann. Heterosexualität als Norm bedeutet auch eine Verfestigung von Rollenbildern und Ansprüchen, die an Männer und Frauen (in der binären Vorstellung) gestellt werden. Daher geht Heteronormativität oft Hand in Hand mit toxischer Maskulinität. Alles, das nicht in die Norm passt, wird pathologisiert oder herabgewürdigt, so wird “schwul” zur Beleidigung und trans*-gender sein zur psychischen Krankheit. Dieses gängige Weltbild schließt alle aus, die nicht ins Bild passen und übt so strukturelle Diskriminierung aus. Durch das permanente Glorifizieren cis-heterosexueller Lebensweisen werden Menschen nicht darin bekräftigt, sich mit ihrer Sexualität und Identität auseinanderzusetzen.

FORMEN DER DISKRIMINIERUNG VON QUEEREN PERSONEN

Die Unterdrückung von queeren Personen manifestiert sich auf mehreren Ebenen und betrifft alle queeren Personen in verschiedenen Lebenslagen in unterschiedlichem Ausmaß. Durch cis-heteronormative Strukturen unserer Gesellschaft wird queeren Personen die Legitimität aberkannt und ihre Lebensweise als „unnormal“ dargestellt. Diese strukturelle Unterdrückung manifestiert sich natürlich unterschiedlich, je nach Land, Kulturraum, vorherrschender Religion und sozioökonomischer Klasse. In vielen Ländern verbesserte sich die Lage von queeren Personen über die letzten Jahrzehnte, ist jedoch noch weit weg von einer Gleichberechtigung oder Gleichbehandlung. Queere Personen werden tagtäglich durch patriarchale, heteronormative und binäre Strukturen benachteiligt und diskriminiert. Der Ausschluss aus dem sozialen und familiären Umfeld aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität ist Alltag für viele queere Personen in Österreich. Dies führt unweigerlich zu einer – eigentlich vermeidbaren – psychischen Belastung. Verbale und physische Gewaltausübung im öffentlichen Bereich an queeren Personen bleibt nach wie vor ein unausgesprochenes Problem. Der Druck zur andauernden Legitimierung der eigenen Lebensweise führt vor allem bei jungen Menschen zu starken psychischen Belastungen führen und schlimmstenfalls zum Selbstmord. Die Wahrscheinlichkeit, dass queere Jugendliche Selbstmord begehen ist zwei bis drei Mal höher als der Durchschnitt. Auch queere Student_innen sind von diesen Diskriminierungsformen nicht ausgenommen. Die Benutzung von queerfeindlichen Materialien in Vorlesungen, die Darstellung ausschließlich heterosexueller Lebenssituationen, bringt queere Menschen in einen Zustand des Selbstzweifels und erhöht den psychischen Druck. Abfällige, queerfeindliche Witze von Vortragenden oder die Verwechslung von Pronomen in Vorlesungen sind ein zusätzlicher Stressfaktor und gehörenzum Alltag von queeren Personen.

MASSNAHME I. SENSIBILISIERUNG UND DIVERSITÄT IM STUDIUM

Der Sensibilisierungsprozess geschieht (leider) nicht über Nacht, kann aber auf der Hochschule beginnen, wie z.B. durch verpflichtende Gender-Lehrveranstaltungen in jedem Studiengang. Gender-
Lehrveranstaltungen geben einen Einblick in die Thematik des „Gender“, die kritische Hinterfragung der sozialen Konstruktion von Geschlechtern und der Genderbinärität, und sollen generell einen Raum für wissenschaftliche und gesellschaftliche Auseinandersetzungen mit diesem Thema bieten. Es ist wichtig, insbesondere auf Hochschulen, Diversität zu vermitteln, da die Studierenden von heute auch einen Teil der zukünftigen Gesellschaft bilden und sozialen Ausgrenzungen ein Ende gesetzt werden muss.

MASSNAHME II. ANLAUFSTELLEN AN ALLEN HOCHSCHULEN

Alle Hochschulen haben einen institutionalisierten „Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen“ (kurz: AKG). Dieser befasst sich zwar mit Gleichbehandlungsfragen und möglichen Problemen von Studierenden, Lehrenden und Mitarbeiter_ innen der Hochschule, ist aber, vor allem was die Queer-Thematik betrifft, oftmals leider noch unzureichend informiert und sensibilisiert. Außerdem hat der AKG nur einen sehr begrenzten Handlungsspielraum, wenn es um Interventionen geht.Viele Personen wissen gar nicht, dass es ihn überhaupt gibt. Studierende sind im AKG außerdem unterrepräsentiert, weshalb ihre Perspektive oft ungenügend berücksichtigt wird. Aus diesen Gründen fordern wir inhaltliche Weiterbildung und Schulungen für Angehörige des AKG, eines Ausweitung seiner rechtlichen Interventionsmöglichkeiten und höhere Gewichtung dieses Gremiums. Des weiteren soll die Perspektive von Studierenden mehr beachtet werden, und es sollen Maßnahmen ergriffen werden, um den AKG unter sämtlichen Universitätsangehörigen bekannter zu machen.

MASSNAHME III. UNBÜROKRATISCHE NAMENS- UND GESCHLECHTSEINTRÄGE

Das jetzige Verwaltungssystem lässt es nicht zu, dass Menschen, die sich mit einem anderen Geschlecht, als ihrem offiziellen, identifizieren, ihren Wunschnamen tragen können. Das kann den Grund haben, dass trans*-Personen (noch) keine offizielle Namens- und Geschlechtseintragsänderung vorgenommen haben oder sie sich nicht mit einem der binären Geschlechter identifizieren und daher gar nicht die Möglichkeit haben, ihr Geschlecht bei der Hochschule anzugeben. Dieser Umstand führt zu permanenten Zwangsoutings von Personen, die in einem anderen Geschlecht leben, als in ihrem Pass steht. Durch abgelegte Namen auf Teilnehmer_innenlisten, Ansprache mit den falschen Pronomen, etc. sind trans*- oder nicht-binäre Studierende unangenehmen Situationen und Stress an der Hochschule ausgesetzt. Es ist unabdingbar, dass Student_innen unbürokratisch und selbstständig
ihren Namen in Onlinesystemen und auf Studierendenausweisen ändern können. Da durch die Matrikelnummer ohnehin eine eindeutige Zuordnung möglich ist, ist es nicht notwendig den Passnamen überall führen zu müssen. Außerdem muss es möglich sein, den gewünschten Geschlechtseintrag an der Hochschule selbst zu wählen und bei Bedarf jederzeit zu ändern. Hierfür müssen mehr Auswahlmöglichkeiten gegeben sein als männlich* oder weiblich* um anzuerkennen, dass es mehr Geschlechter gibt. Im besten Fall wird ein Freifeld angeboten. Der am Verfassungsgerichtshof erstrittene dritte Geschlechtseintrag ist ein wichtiger Schritt dahingehend.

MASSNAHME IV. TOILETTEN UND FLINT*-SCHUTZRÄUME

Auch bei Toiletten wird derzeit streng ins binäre System eingeteilt. Dieses banale Bedürfnis stellt viele trans*- oder nicht-binäre-Personen oft vor großen Stress. Um diese Situationen zu vermeiden braucht es in allen Hochschulgebäuden Unisextoiletten. Zusätzlich sind Schutzräume für FLINT*-Personen notwendig, da es Orte braucht an denen sich alle die von Sexismus und dem Patriarchat unterdrückt
werden, ungezwungen und frei austauschen können, ohne Angst vor Diskriminierung haben zu müssen. Diese Schutzräume müssen bedingungslos trans*-inklusiv sein, offen für alle außer cis-Männern, da auch trans*-Männer von Diskriminierungsarten betroffen sind, welche fremd für cis- Männer ist und andere Erfahrungen gemacht haben als diese.

MASSNAHME V. VERANSTALTUNGEN OFFEN UND SENSIBEL GESTALTEN

Bei Veranstaltungen der Hochschulen oder der lokalen Hochschulvertretungen wird oft nicht darauf geachtet, Lokalitäten zu wählen, in denen sich alle Besucher_innen wohlfühlen können. So sollte darauf geachtet werden, dass die Lokale keine Rassismus, Sexismus, Queerfeindlichkeit und andere Diskriminierungsarten dulden. Außerdem muss es möglich sein, Unisextoiletten vor Ort zu haben und FLINT*-Schutzräume anzubieten.