Lohnschere

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Gleicher Lohn für gleiche Arbeit! – Oder doch nicht?

Die österreichische Bevölkerung besteht zu 51% aus Frauen. Trotz dieses leichten zahlenmäßigen Überhangs ist die Ungleichstellung zwischen Frauen und Männern immer noch Thema. Auch heute noch sind praktisch alle Lebensbereiche von der sich (unbewusst) fortsetzenden Ungleichheit betroffen. So sind die Einkommensunterschiede zwischen Männer und Frauen in Österreich Noch immer viel zu groß. Männer verdienten im Jahr 2010 immer noch um 31,1% mehr als ihre weiblichen Kolleginnen,trotz gleicher Qualifikationen.

Ein Zustand, der in einem Land wo die Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen doch endlich selbstverständlich sein sollte absolut unzumutbar ist. Denn schon seit mehr als hundert Jahren fordern Frauen: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit!“

Aber woran liegt es, dass Frauen trotz gleicher Leistung und Qualifikationen immer noch viel weniger verdienen als die Männer?

Die Benachteiligung der Frauen gegenüber den Männern ist historisch gewachsen und wird als biologisch determiniert hingenommen. In den letzten Jahrzehnten hat sicheiniges getan. Gleichbehandlungs- und Antidiskriminierungsgesetze wurden beschlossen und Maßnahmen zur Gleichstellung der Geschlechter gesetzt.

Das führte dazu, dass in den letzten Jahren der Faktor Geschlecht angeblich nicht mehr einbezogen wurde. Menschen werden angeblich nicht mehr nach ihrem Geschlecht, sondern vielmehr nach ihrer persönlichen Leistung beurteilt. Es wird als praktisch nicht mehr wahrgenommen, dass Frauen immer noch, einzig aufgrund ihrer „biologischen Unterschiedlichkeit“ vom Mann, diskriminiert werden.

Berufswahl und Teilzeit-Arbeit

Die Frauenerwerbstätigkeit steigt zwar stetig an, allerdings nimmt auch die Teilzeitarbeitsquote rasant zu. Bei der Teilzeit-Arbeit waren 2010 erneut die Frauen deutlich in der Mehrzahl: 77,1 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten waren weiblich. Frauen werden zumeist in Teilzeitarbeit gedrängt, da sie immer noch ihrem traditionellen Rollenklischee entsprechen müssen und Beruf und Familie unter einen Hut bringen müssen, während Männer sich voll und ganz auf ihre Karriere konzentrieren können. Besonders Teilzeitarbeiten sind mit prekären Arbeitsverhältnissen sowie niedrigeren Stundenlöhnen verbunden.

Zudem kommt es zu extrem ungleichheitlichen Strukturen, wenn die „geschlechtsspezifische Hierarchisierung des Arbeitsmarktes“ bedacht wird. Frauen arbeiten in überwiegendem Ausmaß im Dienstleistungsbereich, was völlig andere Arbeitsmarktchancen und arbeitsrechtliche Bedingungen mit sich bringt.

Reproduktionsarbeit

Frauen sind nun erwerbstätig (unter anderem weil sie es sein müssen, um die Familie zu ernähren), aber auch immer noch für Haushalt, Familie und unbezahlte Arbeit zuständig, während Männer umgekehrt nicht im gleichen Ausmaß Familienaufgaben übernommen haben. Zum Bereich der geleisteten Reproduktionsarbeit von Frauen gehört unter anderem auch die Kinderbetreuung, sowie die Pflege und Betreuung Verwandter und Bekannter im Krankheitsfall.

Damit sind Frauen im Gegensatz zu Männern nicht nur mit den bestehenden einkommensbezogenen Ungleichheiten am Arbeitsmarkt konfrontiert. Darüber hinaus steigen sie auch durch die Nicht-Bezahlung geleisteter Reproduktionsarbeiten, wie Familien- und Hausarbeit, Kinderbetreuung und Pflege, im Bezug auf ihr Einkommen deutlich schlechter aus als Männer.

Was tun?

  • Einerseits sollte es für Frauen leichter gemacht werden von einer Teilzeitbeschäftigung wieder in eine Vollzeitbeschäftigung zu wechseln. Das sollte für alle Frauen ein Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit gesetzlich verankert werden. Derzeit haben nur jene, die in Elternteilzeit sind, einen Rechtsanspruch darauf, nach einer gewissen Zeit wieder voll zu arbeiten (spätestens ab dem 7. Geburtstag des Kindes).
  • Außerdem sollte die Karenzzeiten endlich voll angerechnet werden, denn das ist derzeit nicht in allen Branchen der Fall.
  • Zudem sollten die Kinderbetreuungseinrichtungen ausgebaut werden Es muss die Möglichkeit geben, dass Kinder ab einem Jahr außerhalb der Familie betreut werden, damit die Frauen ihrem Beruf vollständig nachgehen können.
  • Weiters muss die Nachmittagsbetreuung für Schulkinder ausgebaut werden und auch für pflegebedürftige Menschen muss es mehr Tagesbetreuungsstätten geben.

Aber zu aller erst muss endlich ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass Frauen immer noch aufgrund ihres biologischen Geschlechts diskriminiert werden. Wir müssen endlich weg von einem androzentrischen Leistungs- und Arbeitsbegriff und an einer wirklichen Gleichstellung der Frauen arbeiten. Frauen sind ein wichtiger Bestandteil am Arbeitsmarkt und müssen endlich danach entlohnt werden.

Mehr zu unseren feministischen Themen findest du unter fempower.vsstoe.at

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