Auch im 21. Jahrhundert sind wir in Österreich noch von völliger und echter Gleichberechtigung und –stellung der Geschlechter weit entfernt. Die Erfolge der letzten Jahrzehnte, die vor allem einer Vielzahl mutiger und starker Frauen* zu verdanken sind, sind nicht zu verkennen. Dennoch sind patriarchale und androzentristische Strukturen noch tief in unserer Gesellschaft verankert und schlagen sich in verschiedensten Formen auch an den Hochschulen nieder. Doch was sind eigentlich „das Patriarchat“, „die Geschlechterbinarität“ und „der Androzentrismus“ von denen im Zusammenhang mit Feminismus so oft und gerne gesprochen wird? Nun, „Patriarchat“ meint wörtlich übersetzt „Väterherrschaft“, was so viel bedeutet wie ein von Männern* geprägtes und dominiertes soziales System, in dessen Rahmen Männer* die Machtausübenden und Frauen* (und andere Geschlechter) die Unterdrückten darstellen. Dieser vereinfachten Darstellung ist natürlich gegenzuhalten, dass innerhalb dieser patriarchalen Strukturen ausnahmslos alle sich darin befindenden Personen zahlreichen Diskriminierungen ausgesetzt sind, da ein solches System nur dann Bestand haben kann, wenn es strikte Vorstellungen davon gibt, wie ein „Mann*“ und eine „Frau*“ zu sein haben. Besser gesagt: es schafft ein strenges und unbeugsames Schubladendenken, wie eine Person sich aufgrund ihres Geschlechts zu verhalten, zu entwickeln, zu geben und wen und wie er_sie zu lieben hat. Hier lässt sich gut mit der Geschlechterbinarität anknüpfen. Diese impliziert nämlich, dass es ausschließlich zwei Geschlechter gibt: das „männliche*“ und das „weibliche*“. Diese beiden Geschlechter sind eng mit den bereits vorhin angesprochenen und gesellschaftlich gefestigten Vorstellungen von „Mann*“ und „Frau*“ verknüpft. Nur mit ihnen können patriarchale Machtverhältnisse überleben, denn: Würde es keine Geschlechterrollen geben, dann könnte es auch keine machtausübende Klasse geben, die aufgrund ihres Geschlechts legitimiert ist über die anderen zu herrschen und sie zu unterdrücken. Somit bleibt nur mehr der Begriff des „Androzentrismus“ näher zu beleuchten. Darunter ist ein Weltbild zu verstehen, das Männer* als das Zentrum und die Norm versteht. Wenn also das „männliche*“ die Norm ist, muss das „weibliche*“ das von der Norm abweichende sein. Einfach gesagt: Mann* = Mensch. Vor allem in der Wissenschaft lässt sich diese Sichtweise äußerst gut beobachten: Eine Vielzahl verschiedener Faktoren hat dafür gesorgt, dass für lange Zeit das Forschen bzw. die Anerkennung erforschter Ergebnisse ausschließlich Männern* möglich war und selbst heute noch viele Bereiche der Forschung überproportional von Männern* geprägt werden.

FEMINISTISCHE UTOPIE EINER HOCHSCHULE

Unsere Utopie handelt von einer Gesellschaft und somit auch einer Hochschule in der sich alle frei von Zwängen, Druck und Angst vor Diskriminierung entfalten können. Wir wünschen uns einen Raum, in dem alle Menschen dieselben Chancen und Möglichkeiten bekommen, unabhängig davon, ob und welchem Geschlecht sie sich zugehörig fühlen und gesellschaftliche Erwartungen niemandem mehr vorschreiben wie er_sie sich zu benehmen, bewegen oder zu kleiden hat. Unsere ideale Hochschule ist ein Ort des Austausches, des lebenslangen Lernens, der aktiven Mitgestaltung, der persönlichen und gemeinschaftlichen Entwicklung. Dies ist nur dann zu erreichen, wenn das binäre Geschlechtersystem und patriarchale Strukturen der Vergangenheit angehören, der Ausbruch aus starren Geschlechterrollen entschlossen vorangetrieben wird und echte Repräsentation und Arbeitsteilung endlich Realität sind.

MASSNAHME I. AUFBRECHEN KONSERVATIVER WELTBILDER

Es ist längst an der Zeit aktiv und bestimmt gegen unzeitgemäße Weltbilder und damit verbundene Werte vorzugehen. Vor allem rechte und konservative Parteien und Gruppierungen haben es sich zum Ziel gemacht, Forderungen nach und Bemühungen um echte Gleichstellung als „überholt“ und „überflüssig“ abzustempeln. Hier gilt es, sie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Um ein wirkliches Umdenken ins Rollen zu bringen, bedarf es einer kritischen Auseinandersetzung mit den tief verwurzelten und von klein auf ansozialisierten Denkweisen und Mustern. Studierende müssen dazu angehalten werden, strukturelle und institutionalisierte Ungerechtigkeiten anzuerkennen und zu verstehen, dass sich diese durch alle Lebensbereiche ziehen. Es ist unumgänglich, sich selbst als Teil des großen Ganzen zu sehen, sich bewusst mit seiner eigenen Stellung in diesem Gefüge auseinanderzusetzen und zu begreifen wie sehr jede* und jeder* von diesen eingefahrenen Strukturen betroffen ist.

MASSNAHME II. INTERSEKTIONALE ARBEITSWEISE

Intersektionalität als Querschnittsmaterie ist einer der Grundpfeiler auf dem Weg dorthin. Doch was bedeutet eine intersektionale Arbeitsweise eigentlich? Der Begriff der Intersektionalität (abgeleitet von dem englischen Wort “Intersection” = Kreuzung) beschreibt die Überschneidung von verschiedenen Diskriminierungsformen in einer Person. Anhand eines Beispiels erklärt: eine lesbische Frau* mit Migrationshintergund wird, aus einer intersektionalen Perspektive betrachtet, aufgrund folgender Merkmale diskriminiert: zum einen aufgrund ihres* Geschlechts (= Frau*), zum anderen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung (= lesbisch) und ihrer ethnischen Herkunft (= Migrationshintergrund). All diese Merkmale können nicht ausschließlich gesondert voneinander betrachtet werden, denn der Schnittpunkt all dieser Diskriminierungsformen entwickelt eine eigene Dynamik (= die Person wird nicht “nur” als Frau* oder als Person mit Migrationshintergrund diskriminiert, sondern auch als Frau* mit Migrationshintergrund) und stellt somit eine individuelle Diskriminierungsrealität für sie dar. Es ist unerlässlich, dass sich alle Menschen der intersektionalen Art und Weise in der verschiedene Unterdrückungsmechanismen wirken können, bewusst werden. Damit geht auch einher, eigene Privilegien und Benachteiligungen zu erkennen und sich auch seiner Rolle bewusst zu werden, in der die Person sowohl Ausübende_r als auch Betroffene_r der Diskriminierung sein kann. Es ist jedoch zweifelsohne nicht ausreichend, diese Anforderung ausschließlich oder vorrangig ans Individuum zu stellen. Vielmehr müssen sich die Hochschulen als als Raum verstehen, in dem sich Diskriminierungen reproduzieren und überschneiden, und deren Ziel es sein sollte, ihnen durch eine intersektionale Arbeitsweise so effektiv wie möglich entgegen zu wirken.

MASSNAHME III. SENSIBILISIERUNGS- UND GENDER-LEHRVERANSTALTUNGEN

Als weiteren Schritt sehen wir verpflichtende Sensibilisierungs- und Gender-Lehrveranstaltungen als unumgänglich. Denn nur dann, wenn das Bewusstsein für bestehende Missstände bei ausnahmslos allen geschaffen wird, kann ihnen auch lösungsorientiert begegnet werden. Feministische Wissenschaft ist immer auch eine herrschafts- und machtkritische. Feministische Ideen, Theorien und Gleichstellungsbemühungen sind jedoch nur dann effektiv, wenn sie in der kritischen Lehre eingebettet werden. Ausnahmslos jeder Studiengang kann und muss aus einem queer-feministischen und intersektionalen, aber natürlich auch fachspezifischen Blickwinkel betrachtet werden. Der sensibilisierende Teil dieser Lehrveranstaltungen soll vor allem Gewalt- und Diskriminierungsprävention zum Ziel haben und einen sicheren Raum für die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und strukturellen Ungerechtigkeiten und Ungleichgewichten schaffen

MASSNAHME IV. LEAKY PIPELINE ENTGEGENWIRKEN!

Frauen* an Hochschulen sind noch immer vielfach verschiedenster Diskriminierungen ausgesetzt. Zu Beginn ist zum einen die leaky pipeline (= englisch für “undichtes Rohr”) zu nennen, die das Phänomen des kontinuierlich absinkenden Frauen*anteils beschreibt, je höher die Position ist, um die es sich handelt. Während mittlerweile mehr Frauen* als Männer* in Österreich studieren und es auch mehr weibliche* als männliche* Erstabsolvent_innen gibt, so ist doch der Frauen*anteil in wissenschaftlichen Spitzenpositionen erschreckend gering. Doch wieso verschwinden Frauen* auf dem Weg der Karriereleiter nach oben und weshalb sind noch immer um ein vielfaches mehr Männer* als Frauen* in der Wissenschaft zu finden? Auch Wissenschaft und Forschung sind – genauso wie im wirtschaftlichen Bereich – nicht davor gefeit, sexistische und patriarchal geprägte Personalpolitik zu betreiben. Gerade, um sich eine wissenschaftliche Karriere aufzubauen, ist es oft notwendig, viele schlecht bezahlte Forschungsaufträge anzunehmen und eventuell bis spät in die Nacht oder auch im Ausland zu arbeiten. Nachdem auch heutzutage noch immer ein großer Teil der Reproduktions- und Care-Arbeit Frauen* angelastet wird, ist es für ebenjene auch noch immer schwierig, eine Karriere in Wissenschaft und Forschung zu betreiben. Deshalb soll auch in Besetzungen von Jobs und Gremien durch die Hochschulen auf aktive Frauen*förderung gesetzt werden bzw. eine Frauen* quote von 50% eingehalten werden. Weiter soll es auch für Hochschulpersonal kostenlose Kinderbetreuung am bzw. in der Nähe des Arbeitsplatzes geben, um so auch Mitarbeiter_innen mit Betreuungspflichten entgegen zu kommen.