Feminismus – Sprache

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Bewusster Umgang mit Sprache!

Sprache ist ein Schlüssel für eine gesellschaftliche Veränderung. Mit ihr können feststehende Normen und auch Machtverhältnisse beeinflusst werden. Ist sich eine Person des Einflusses der Sprache bewusst, kann sie selbst aktiv und über Kulturen hinweg zu einer Veränderung der Welt beitragen.

Veränderung durch eine gerechte Sprache!

Sprache ist ein Spiegelbild der Realität. Da unsere Sprache meist nur männlich ist, verstärkt sie alte Rollenbilder. Sprache muss nicht nur Frauen und Männer gleichermaßen sichtbar machen, sondern auch alle anderen Geschlechteridentitäten, wenn sich wirklich alle angesprochen fühlen sollen. Aber nicht nur wie wir etwas formulieren, sondern auch was wir sagen oder schreiben, sollte gut überlegt sein.

Grundsätzlich sollten in gesprochener und geschriebener Sprache folgende Punkte beachtet werden:

  • Es sollte Symmetrie zwischen den Geschlechteridentitäten herrschen, das heißt sie sollen gleichwertig dargestellt werden. Zum Beispiel Familie Maier statt Familie Hans Maier.
  • Bei gendergerechter Sprache muss darauf geachtet werden, dass keine stereotype Rollenbilder widergespiegelt werden. Zum Beispiel Team oder Gruppe statt Mannschaft.
  • Außerdem müssen sexistische Ausdrucksformen vermieden werden. Zum Beispiel „das schwache Geschlecht“, „das ist schwul“, etc.
  • Das sichtbar-Machen von allen Geschlechteridentitäten in gesprochener und geschriebener Sprache um das generische Maskulinum zu umschreiben. Zum Beispiel Student_innen statt Studenten.
  • Aber auch sexistisches Redeverhalten muss vermieden werden. Häufiges Unterbrechen, Anschreien, oder nicht zu Wort kommen lassen, sind Merkmale eines solchen Verhaltens. In Gesprächsrunden und Diskussionen sollte darauf geachtet werden, dass alle gleichberechtigt behandelt werden. Zum Beispiel durch quotierte Redner_innenlisten.

Gleichberechtigung in der Sprache

Der VSStÖ hat sich für die queere Schreibweise entschieden und verwendet in allen Texten sowie auf allen Flyern, Plakaten usw. das Gender Underline_.

Was ist der Gender Underline?

Als Gender Underline (= „Geschlechter-Zwischenraum“) wird die meist durch einen Unterstrich gefüllte Lücke zwischen maskuliner und femininer Endung bezeichnet. Sie wird bei Wörtern eingefügt, welche Informationen über das soziale Geschlecht (Gender) enthalten.
Der Gender Underline ist ein Mittel der sprachlichen Darstellung aller sozialen Geschlechter und Geschlechtsidentitäten um gegen die Bipolarität der Geschlechter anzukämpfen und diese auch sprachlich zu hinterfragen.

Der linguistische Begriff des „Gender Underline“ ist eine Weiterführung des Binnen-I, bei der eben nicht mehr ausschließlich vom Zweigeschlechtermodell ausgegangen wird, sondern vielmehr auch all jene Geschlechteridentitäten angesprochen werden, die nicht in das Modell der Zweigeschlechtlichkeit passen (wollen). Der Unterstrich _ zwischen dem maskulinen und femininen Genus schafft dabei genau den Freiraum für Geschlechteridentitäten, die sich über die bipolare Vorstellungen des Geschlechts hinwegsetzen.

Beispiele:

  • Hauptwörter: Student_in, Student_innen, Student_innenbewegung // Schüler_in, Schüler_innen // Ärzt_in, Ärzt_innen
  • Artikel: der_die
  • Indefinitpronomen: Jede_r
  • Adjektive: gute_r // ausgebildete_r
  • Doppelnennung: Die Doppelnennung von Mann und Frau entfällt, außer wenn diese zwei Geschlechter (bzw. nur das weibliche Geschlecht) bewusst hervorgehoben werden sollen. Ansonsten wird statt „Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern“ nur mehr „Die Gleichberechtigung von Geschlechtern“ geschrieben.

Gender Underline in der gesprochenen Sprache

Auch im Gesprochenen ist der Gender Underline anzuwenden. Das erfolgt durch eine sprachliche Pause. Das heißt zwischen der männlichen und der weiblichen Endung wird eine Pause gemacht.

Warum der Gender Underline?

Die Queer-Theorie (engl. queer theory) ist eine Kulturtheorie, die sich in den USA entwickelte und den Zusammenhang von biologischem Geschlecht (engl. sex), sozialen Geschlechterrollen (engl. gender) und sexuellem Begehren (engl. desire) kritisch untersucht. Die Queer-Theorie geht davon aus, dass geschlechtliche und sexuelle Identität nicht „naturgegeben“ sind, sondern erst in sozialen und kulturellen Prozessen konstruiert werden. Unter Rückgriff auf die Methoden und Erkenntnisse von Dekonstruktion, Poststrukturalismus, Diskursanalyse und Gender Studies versucht die Queer-Theorie, sexuelle Identitäten, Machtformen und Normen zu analysieren und zu dekonstruieren. Die Queer-Theorie beschäftigt sich nicht nur mit der Dekonstruktion von Sexualität, sondern mit allen Aspekten der Kultur, wobei immer wieder ein Bezug zu Geschlechtern und Geschlechterrollen hergestellt wird, vor allem aber Ausbeutungsverhältnisse kritisiert werden. Als wichtige Theoretiker_innen und Vordenker_innen gelten u. a. Michel Foucault, Judith Butler, Eve Kosofsky Sedgwick und Michael Warner.

Der VSStÖ beschäftigt sich in seiner politischen Tätigkeit intensiv mit den Queer Theorien zum Beispiel durch Gruppentreffen, Schulungen und mit Nutzung des Gender Underline. Weiters kämpft der VSStÖ für die Aufhebung der Heteronormativität und die Sichtbarmachung von allen Geschlechteridentitäten. Wir kämpfen für die Gleichberechtigung jedes Individuums, das von irgendeiner Art von Diskriminierung betroffen ist. So zum Beispiele für die Rechte von homosexuellen Menschen, sowie von Transgenderpersonen.

In der momentanen Situation der Gesellschaft ist es allerdings wichtig Frauen als politische Kategorie weiterhin als solche anzusprechen, da es immer noch Diskriminierungen aufgrund des (rechtlichen) Geschlechts gibt, egal ob Personen sich in diesem verortet fühlen oder nicht. Deshalb ist es für den VSStÖ weiterhin wichtig auch für die Rechte der Frauen im Allgemeinen zu kämpfen. In Form von Sichtbarmachen von Problemen und Diskriminierungen, Problemlösungen wie der Quotenregelung, aber auch Verbands-intern durch eigene Frauengruppen und antisexistischer Arbeit. Daher ist es auch möglich, wenn die politische Kategorie „Frau“ angesprochen wird, nur die weibliche Form ohne Gender Underline zu verwenden, zB. „Vor allem Studentinnen werden bei dem EMS-Test diskriminiert.“

Mehr zu unseren feministischen Themen findest du unter fempower.vsstoe.at

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